Dalwhinnie – Glenfarg
Samstag, 18. Juli: Zweiter Tourtag.
Mit Arne verabredet war, um 6 Uhr in den Tag zu starten – um 5:45 höre ich aber jemanden um mein Zelt herumtapsen, der sich direkt als Arne entpuppt hat. Also doch wieder aufstehen vor 6 Uhr, um beim Packen nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Wir starteten um 6:35 den Tourtag – ein schneller Start für den zweiten Tag. Direkt nach Ausfahrt aus Dalwhinnie begrüßte uns ein dramatisches Schild:

Der Anstieg selbst war eher milde steil – dank Höhenprofilanzeige im GPS habe ich den eigentlichen Pass dann zumindest auch bemerkt, während Arne nichtsahnend weitergefahren ist und den Pass verpasst hat.


Kurz nach dem Pass bot sich dann auch die Gelegenheit für eine Frühstückspause…

Ich kann die erschrocken Gesichter direkt vor meinem geistigen Auge sehen, vermutlich ist der oder die ein oder andere der Ohnmacht nahe… Die Bialetti ist daheim geblieben, stattdessen ist diesmal eine French Press dabei.

Nach dem Pass ging es überwiegend bergab, bei aufklarendem Himmel, durch die überwiegend leeren Highlands.

Erst in Pitlochry wurde es wieder deutlich touristischer. Wir nahmen hier einen Umweg über die Hügel nördlich der Stadt in Kauf,

um vor den verschlossenen Toren der Edradour Distillerie zu stehen.


Bis hierhin lagen wir auch ziemlich gut in der Zeit und konnten uns so einen Abstecher locker leisten. Bei der Abfahrt von der Brennerei zog aber mein Vorderrad plötzlich merkwürdig nach rechts.

Arne bemängelte an dieser Stelle noch meine Entscheidung, mit einem schon vierfach geflickten Schlauch auf Tour zu starten.
Danach lagen wir entsprechend auch deutlich weniger gut in der Zeit. In Pitlochry gibt es noch die Blair Athol Distillery. Für einen Einkauf hier war dann allerdings die Zeit etwas knapp.

In Dunkeld wollten wir eigentlich eine Kuchenpause einlegen, aber der gesamte Ort war überfüllt mit Touristen und alle Straßen zugeparkt. Wer weiß was hier an diesem Tag los war, darf mich gerne darüber aufklären.
Nachdem ich irgendwo auf einer Wiese einen 20 Minuten Power Nap eingelegt hatte (nicht abgebildet) durchquerten wir noch Perth. Die gesamte Stadt sieht eigentlich aus wie ein Golfplatz, aber dennoch an dieser Stelle ein Platzhalterfoto von schottischen Häusern.

Die Stadt verließen wir gegen 18 Uhr, mit dem Gedanken irgendwo hinter Perth in einem Wald die Zelte aufzustellen. Hier machte uns die Topographie aber gleich doppelt einen Strich durch die Rechnung. Zum Einen waren alle zugänglichen Waldflächen an Hängen gelegen, zum anderen mussten wir uns zum Tagesende noch all diese Hänge hocharbeiten. Das führte dazu, dass wir irgendwann nach über einer Stunde vergeblichen Suchens die Energiespeicher so dringend auffüllen mussten, dass wir einfach direkt an der Straße kochen mussten.

Die Szene sieht hier auf dem Foto deutlich idyllischer aus, als sie tatsächlich war. Die im Tal links gelegene (deutlich hörbare) Autobahn muss man sich selbst vorstellen.
Gegen 20 Uhr warten wir endlich frisch gestärkt und machten uns wieder auf die Suche. Als sich eine Wiese mit Zaun OHNE abgesperrtes Tor präsentierte, beschlossen wir dass wir laut Scottish Outdoor Access Code eintreten durften und fuhren einfach ein. Ein weiteres Tor war zumindest nicht zugesperrt, entsprechend gleiches Prinzip. Dort fanden wir dann irgendwann nach 20 Uhr endlich einen schönen Platz für den Abend.


Ein bisschen besorgt waren wir nur, als plötzlich den Weg, auf dem wir angereist waren, eine ziemlich wilde Kuh entlang lief, als wollte sie sagen „Hier ist jemand fremdes!!!“
Daraufhin kam auch ein ziemlich aufgebracht wirkender schottischer Farmer auf einem Quad angebraust… Der aber tatsächlich nur wegen der Kuh aufgebracht war, nicht wegen uns. Er sperrte diverse Tore auf und zu, versuchte die Herde auf eine andere Weide zu treiben (und beschimpfte die sich weigernden Kühe als Schweine), aber ließ uns dabei tatsächlich in Ruhe. Eventuell war unser Verhalten gar nicht so unangebracht wie wir befürchtet hatten? Entsprechend stellten wir dann auch unsere Zelte auf und verbrachten so eine ruhige Nacht, sicher von den Kühen durch Zaun und Tor getrennt.
Am Ende des Tages standen anständige 125km auf dem Tacho.
